Kommunikationsdefizite

Es ist immer wieder schön, wenn sich Leute beschweren, dass ihnen niemand etwas mitteilt und sich dann herausstellt, dass diese Leute nicht den Hauch einer Bohne besser sind.

Aber fangen wir von vorne an.
Als ich mit der Ausbildung angefangen hatte und $Ausbilder das erste mal aus dem Urlaub zurückkam, wurde ich erst einmal rundgefeilt, weshalb ihm nicht mitgeteilt wurde, was in seiner Abwesenheit passiert wäre.
Seit dem schreibe ich ihm immer schöne nette Zettel über alle Vorfälle während seiner Abwesenheit. Und glaubt mir, das kommt häufig vor, wenn $Ausbilder es sich zur Regel gemacht hat, jeden Donnerstag und Freitag frei zu machen.
Okay. Halten wir also fest: Kommunikation von mir in seine Richtung findet statt. Wegen mir leidet er jedenfalls nicht an Informationsmangel.
Aber anders herum sieht es da schon ganz anders aus.

Heute war wieder so ein Tag, wo ich hätte platzen können.
Während ich weg war und meine Doku zu Hause ausdruckte, hat er wohl mal wieder am Drucker von unserem Vertriebler rumgebastelt.
Neben CRT-Monitore ohne Gehäuse zu betreiben, ist das seine Lieblingsbeschäftigung. Warum, weshalb und welchen Sinn das haben soll, weiß ich auch nach 3 Jahren Ausbildung noch nicht.
Zu 90% besteht die Übung darin, den (durchaus schon defekten Drucker) zu zerlegen und dann festzustellen, dass man den Fehler nicht findet. Dann wird der Drucker wieder irgendwie zusammengesetzt und zurück an seinen Ort gestellt. Man hat ja was gemacht und nicht Untätigkeit demonstriert. Aber defekt ist der Drucker dadurch natürlich immer noch.
Heute war wohl wieder einmal so ein Spieltag.
Der Drucker vom Vertriebler spinnt schon seit ein, zwei Monaten rum. Anfangs war es der Sensor, der erkennt, ob noch Papier im Druckschacht liegt und einen Papierstau erkennen soll.
Der Sensor ist eine simple Wippe, die mit Schwerkraft betrieben wird und zusätzlich durch eine Feder unterstützt wird. Und diese Wippe ist inzwischen ziemlich abgenutzt und manchmal klemmt die halt. Eine kleine Erschütterung reicht aus und sie löst sich und man kann weiterdrucken. Deswegen brachte es auch nichts, wenn der Drucker abgebaut, durch den halben Verlag geschleppt, der Drucker dann zerlegt und im (natürlich) geöffneten Zustand getestet wurde. Inzwischen war der Sensor ja wieder frei und ein Fehler konnte nicht ermittelt werden.
Nun ja – inzwischen wurde der Drucker so oft auseinandergenommen und wieder zusammengelegt, dass es ein Wunder ist, dass er überhaupt noch gedruckt hat. Jedenfalls bis heute Mittag.
Heute Mittag hatte $Ausbilder wohl den Drucker mal wieder zerlegt und anschließend wieder zusammengesetzt. Aber irgendwie nicht richtig. Offensichtlich hat er die Funktion des Druckers vor dem Hinstellen nicht getestet.
Jedenfalls steht um 17:00 Uhr unser Vertriebler in der Tür und meint: “Mein Drucker spinnt schon wieder.”
Ich also hin in dem sein Büro und dann kommt noch der Kommentar: “Seit $Ausbilder den in der Hand hatte, druckt der gar nicht mehr.”
Ich mir nix dabei gedacht. Weil, wie schon erwähnt, der hat den Drucker vom Prinzip her seit über einem Monat beinahe wöchentlich am Wickel.
Ich also erst mal die üblichen Tests. Kartusche raus und wieder rein – Drucker macht Testlauf – Drucker blinkt fröhlich – Drucker macht Lichtorgel (von große grüne Lampe, zur kleinen grünen Lampe, zur orangenen und zurück, das ganze so 3 Mal) und Drucker bleibt mit blinkender orangener Lampe stehen. Kein Mucks.
Okay. Manchmal hilft es, wenn man den Drucker aus macht und wieder anmacht. Also: anmachen, ausmachen – gleiches Spiel -> Lichtorgel -> orangene Lampe blinkert mich fröhlich an – sonst nix.
Da der Vertriebler den Drucker unbedingt braucht – is ja logisch, sonst würde er mich ja nicht vom Feierabend abhalten -, bau ich den Drucker ab und stell ihm den Drucker vom Empfang hin. Die Sekretärin hat zum Glück den gleichen Drucker und ist schon nach Hause. Glück im Unglück.
Also Drucker von der Sekretärin beim Vertrieb angeschlossen, den Vertriebs-Drucker unter den Arm geklemmt und ab in mein stilles Kämmerlein.
Nochmal das Testspiel – weil mir die Lichtorgel so gefallen hat :-D
Gleiches Ergebnis – orangenes blinken :-(
Also die 5 Schrauben gelöst und das Gehäuse vom Drucker abgenommen – hat man ja so gelernt in der 3jährigen Ausbildung.
Dann den Drucker genau beäugt und festgestellt, dass man a) keine Ahnung hat, aber b) diese Kontaktfeder an der Kartusche irgendwie seltsam weit rausguckt. Zurückdrücken lässt sie sich zwar und sie bleibt dann auch so halbseltsam in der Position. Aber sobald eine Kartusche drin war, steht sie wieder ungwöhnlich weit vor.
Also neben der Rückwand, auch das vordere Gehäuse irgendwie abgebaut (“Bloß nix abbrechen!!!”) und nachgeschaut, ob man von der Seite an diese doofe Feder rankommt. Denn die scheint offenkundig nicht auf ihrem Festpunkt zu sitzen, sondern frei schwebend in diese Öffnung gestopft worden zu sein (“Wird schon keiner merken”). Mit ein wenig Gefühl, einem kleinen Schraubendreher und mehr Mehl als nen Bäcker in einem Jahr verbraucht, bekomme ich die Feder wieder auf den Nippel, wo sie ihren Festpunkt hat.
Okay. Soweit so gut. Noch nen Blick von vorne in den Drucker geworfen und siehe da, die Feder sitzt so, wie es der Hersteller vorgesehen hat. Kartusche rein, Kartusche raus – die Feder sitzt immer noch so.
Also das Gehäuse irgendwie wieder draufgefummelt und den Drucker eingeschaltet: leises Brummen, klicken von Relais, Lichtorgel, orangenes blinken. Verflixt! Wohl nur den halben Fehler gefunden.
Inzwischen ist es 18:30 Uhr und ich wollte bereits vor 1,5 Stunden gehen, als dann der Mensch mit seinem defekten Drucker in der Tür stand.
Der Vertriebler hat seinen Mist inzwischen ausgedruckt und ich bau mal eben den Drucker von der Sekretärin wieder dahin zurück, wo er hingehört.
Dann frag ich den Vertriebler nochmal, wann $Ausbilder denn den Drucker das letzte Mal in den Fingern hatte. Denn inzwischen kommt mir der anfangs erwähnte Satz und vor allem der Teil “[...]seit der den in den Fingern hatte, haut der gar nicht mehr hin.[...]” schon ein wenig seltsam vor. Und was ist die Antwort? Genau: “Na heute Mittag erst!”
‘Okay!’, denke ich. ‘$Ausbilder hat ihn kaputt gemacht, es ist 18:30 Uhr, morgen ist nen Feiertag, Freitag beschwatz ich die Sekretärin, dass ich ihren Drucker brauch und bau den beim Vertrieb hin. Und ich bin Montag nicht da. Dann soll $Ausbilder mal zusehen, wie er die Kiste wieder ans Laufen kriegt. Ich fass das Drecksding nicht nochmal an!’

Aber das ist nicht alles. $Ausbilder war heute fleißig und hat mehr als nur den Drucker kaputt bekommen.
So ganz nebenbei hat er auch noch an den logon.bat-Dateien diverser Nutzer rumgespielt.
Ich hatte zwar gesehen, dass er den DOS-Editor offen hatte, hatte mir aber nix weiter dabei gedacht. Warum auch. Welcher bekloppte fummelt an Systemen rum, die er a) nicht versteht und die b) einwandfrei laufen?
Inzwischen weiß ich, was er gemacht hat. Er hat einen User vom Samba-Server für die Kleinanzeigen gelöscht und (typisch $Ausbilder) auf einem anderen Rechner eine statische Verknüpfung mit dem Explorer angelegt und wahrscheinlich einen Haken bei “Beim nächsten Start automatisch verbinden” und bei “Passwort merken” reingemacht. Sehr clever, wenn man bedenkt, dass die Rechner in ner Domäne eingebucht sind und theoretisch jeder Nutzer seinen Arbeitsplatz wechseln könnte und an einem anderen Rechner arbeiten könnte. Und servergespeicherte Profile sind ja aus Platz- und Performance-Gründen deaktivert.
Ich frage mich ernsthaft, wozu es ein LDAP gibt, in das man einträgt, welche Datei ein Nutzer beim Login laden soll? Und wozu es eben jene logon.bat-Dateien gibt, wenn sie doch nicht optimal genutzt werden?
Und informiert hat er mich über seinen Genie-Streich natürlich auch nicht.
Weder darüber, dass der bewusste User vom Kleinanzeigen-Samba gelöscht ist, noch, dass er überhaupt daran rumgespielt hat.
Ich durfte das dann wieder mal über die inzwischen gewohnte Tour erfahren:

  1. $User kommt und beschwert sich, dass irgendwas nicht geht.
  2. Ich schau doof aus der Wäsche, weil ich natürlich von nix weiß und versuche das Problem in den Griff zu bekommen.
  3. Ich fummle hier und fummle da und werd aus der Sache nicht schlau.
  4. Irgendwann kommt wer vorbei und sagt: “Ja, der hat doch heute da irgendwas gemacht.”

‘Okay’, denke ich dann heute das zweite Mal. ‘Nicht meine Hochzeit. Du hast alles versucht, keiner hat dir irgendwas gesagt, müssen die User eben irgendwie anders klarkommen.’

Soviel also zum Thema: Kommunikationsprobleme?

In diesem Sinne:

geBLITZdingst

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